MURABEHO

Seit dem letzten Eintrag habe ich noch soooooo viel erlebt:

Ich war in Musanze, im Norden des Landes, um mir einen Kindheitstraum zu erfüllen: Endlich durfte ich einen (wenn auch nicht mehr aktiven) Vulkan besteigen. In viereinhalb Stunden bestieg ich mit einem Freund aus Israel den 3. höchsten Vulkan des Vulkan-Nationalparks, den Bisoke. Von 2500m ging es bis auf 3711m hoch. Der Aufstieg war so unglaublich schlammig, dass ich meine Turnschuhe jetzt wohl wegschmeissen kann. Endlich oben angekommen, war dann statt dem Ausblick auf den Kratersee (der übrigens auch die Grenze zum Kongo ist) nur Nebel zu sehen. Auch ohne diese Kirsche auf dem Törtchen war es aber trotzdem ein wundervoller, extrem anstrengender Ausflug! Als Belohnung gönnten wir uns einen Tag in Gisenyi, einem mondänen Badeort am Kivu-See. Dort lagen wir nicht nur am Strand, sondern genossen auch die heißen Quellen und Begegnungen mit einheimischen Tänzern, die uns unbedingt ihre Tanzkünste unter Beweis stellen und uns traditionelle Tänze beibringen wollten. Interessant war auch die örtliche Brauerei, in der fast alle wichtigen Biere des Landes hergestellt werden. Nach dieser Besichtigung entschlossen wir uns dann, den Congo-Nile-Trail (eine 10-tägige, 227km lange Wanderung die ganze Küste des Kivu-Sees entlang) nicht mehr zu machen 😉

Ein super Erlebnis war auch das Pokalfinale, dem ich und 2 andere deutsche Freiwillige im Amahoro-Nationalstadion des Landes beiwohnen durften. Zwar weiss ich nicht genau, wie viele andere Zuschauer es gab, weil niemand so genau weiß, wie hoch die Stadionkapazität ist und sie wahlweise mit 10.000, 15.000, 30.000 und 35.000 angegeben wird. Auf jeden Fall war es sehr voll. Da es keinen der Sicherheitsleute irgendwie interessierte, konnten wir aufs Feld gehen und das Spiel entweder direkt neben den Auswechselspielern, oder direkt an der Eckfahne bei den Fotografen verfolgen. Und das bei einem Pokalfinale am wichtigsten nationalen Feiertag Ruandas: dem Tag der Befreiung (4.Juli), an dem der Genozid durch das Einschreiten der RPF (Rwandan Patriotic Front) beendet wurde!

Achso, gearbeitet habe ich trotz all dem Spaß natürlich auch noch: In den letzten 2 Wochen habe ich 10 Interviews geführt, mit Künstlern, Fotografen, Filmemachern, Gitarristen, Studenten, Journalisten. Darunter die Managerin von Team Rwanda, dem nationalen Fahrradteam, dessen Fahrer es nur 21 Jahre nach dem Genozid bis nach Olympia geschafft haben, konnte ich interviewen. Und ein Schulkind, den ich mit Dolmetscher in der Landessprache Kinyarwanda befragen konnte.

In meinen 5 Wochen im Land habe ich so viele interessante Sachen über Ruanda gelernt: Dass es in ganz Ruanda keine Plastiktüten gibt. Dass es verboten ist, Rasen zu betreten. Dass das Parlament den höchsten Anteil an weiblichen Abgeordneten in der ganzen Welt hat. Dass alle etwas auf dem Kopf tragen, egal wie gross und schwer es auch sein mag. Dass sich das Leben auf dem Land unglaublich von dem auf der Stadt unterscheidet. Dass ein Tag nur von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends geht und es um 18Uhr schon stockdunkel ist. Was auch der Grund dafür ist, dass die meisten Straßen in den meisten Vierteln ab 18Uhr wie ausgestorben sind. Ich durfte an „Umuganda“ (übersetzt sowas wie „Beitrag leisten“) teilhaben. Dabei müssen sich einmal im Monat alle Ruander treffen und gemeinsam eine öffentliche und für die Allgemeinheit wichtigen Arbeit verrichten. Meistens handelt es sich dabei um Bau- und Sanierungsarbeiten. Geschäfte sind während dieser Zeit geschlossen, Autos müssen stehen bleiben. Wer nicht daran teilnimmt, muss sogar eine Strafe zahlen.

Auch wenn die 5halb Wochen leider viel zu schnell vorüber gegangen sind und ich heute wieder nach Deutschland fliegen werde, werde ich einiges mit nach Hause nehmen: unzählige neue Erfahrungen, reichliche neue Bekanntschaften und Freunde, und am Wichtigsten: 451,78GB Filmmaterial! Mir bleibt nur übrig zu sagen: Murabeho – Auf Wiedersehen!

P.S. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich dann noch ein paar weitere Bilder hochladen 🙂

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